Ausgabe 7

7. Mai 2020 | Frenslichs humorvolle Wochenschau

Liebe Freunde!

Muttertag ist heilig und selbigen möchte ich keinesfalls mit meinen Lettern anpatzen. Darum heute.
Den diesmaligen Inhalt will ich euch partout nicht vorenthalten, wochenlang habe ich versucht, ihn in ähnlich pointierte Schlagworte zu fassen wie alle bisherigen Texte. Ich kann es nicht.
Eine versteckte Aufforderung also, in der Erzählform neue Wege zu beschreiten:
Eine rückblickende Schilderung, abgerundet mit einem kleinen Gedichtlein.

„öffentlich und ganz privat“ – Lob und ein Gedicht

Lob
Besonders aus sozialen Aspekten war es eine sehr kluge Entscheidung der Regierung, Schutzmasken einzuführen.

Bis vor wenigen Monaten noch mussten wir ganze Autos kaufen, um mobil zu sein und um, der eine mehr, der andere weniger, im öffentlichen Raum etwas oder gar sich selbst darzustellen zu können.
Wie leicht fiel es uns, jemanden an Hand seines Fahrzeugs zu taxieren. Ob VW Sharan, BMW X5, Mercedes A-Klasse… schnell war klar, wer da hinter welchem Steuer saß, ob ein Handelsvertreter, ein Anwalt oder ein Pensionist den Wagen lenkte.
Umgekehrt war es für jeden von uns wichtig, selbst im „richtigen“ Auto zu sitzen, denn es war Teil unserer Persönlichkeit, auch eine Ausdrucksmöglichkeit, um zu zeigen, worauf wir Wert legen oder worauf eben nicht, wer wir sind, wer wir zu sein vorgeben oder wer wir sein möchten, kurzum ein Statement.

Dann ein Paukenschlag. Mit den Ausgangsbeschränkungen wurde uns die Mobilität genommen.
Aus Fahrzeugen wurden Stehzeuge und wir betraten quasi nackt den öffentlichen Raum, ohne Schutz und ohne der Möglichkeit, das sein zu können, was wir im Auto zu verkörpern glaubten.
Das Rollenbild in der Öffentlichkeit wurde etwas unscharf.

Lobenswerter Weise hat die Regierung das Tragen von Schutzmasken (MNS) verordnet. Damit hat sie uns schließlich einen Teil unserer scheinbar verlorenen Identität zurückgegeben.
Groß ist die Auswahl an Masken und jeder von uns weiß mittlerweile ganz genau, welcher Mensch sich wohl hinter einer grünen OP-Maske, einer glatten weißen Formschaummaske oder hinter einem handbemalten Leinentuch verbergen mag. Kurzum ein Statement.
Humphrey Bogarts „Schau mir in die Augen, Kleines.“ aus dem Jahre 1942 erstrahlt in neuem Licht.

Ob Automobil, ob Maske, der Zweck ist derselbe:
Schutz,  Sicherheit, Mobilität im öffentlichen Raum, Privatheit, Selbstdarstellung
Hinter der schützenden Maske befindet sich ein letzter Privatbereich im öffentlichen Raum bei gleichzeitiger Möglichkeit, sich selbst nach außen hin darzustellen.

Schutzmasken sind viel billiger als Autos.

Maskengedicht
Jeder hier am Magistrat
eine grüne Maske hat.
MNS für Bäckereien
muss aus weißem Leinen sein.
Soldaten tragen Rotweißrot
und Sturmhauben in der Not.
Individualisten wünschen sich
bunte Farben ins Gesicht.
Sauber und auch feingewoben,
um Mund und Nase ´rumgebogen,
an den Ohren festgemacht,
ein jeder aus der Wäsche lacht!

G´sundheit weiterhin!
Christian

p.s.: Spannend wird es, wenn wir letztendlich die Masken doch abnehmen dürfen. Oft muss man schon sehr genau hinsehen, um das wahre Gesicht des Einzelnen erkennen zu können.