Ausgabe 9

5. Aug 2020 | Frenslichs humorvolle Wochenschau

Liebe Freunde!

Beinahe wäre ich verhungert.
Doch in letzter Minute haben mir die Berliner einen gedanklichen Futternapf vorgesetzt.

Viraler Fußball – Das erste Match in Berlin

Lange habe ich auf diesen Augenblick gewartet und endlich ist es soweit!
Das Leben ist ein Spiel.
Ich werde zum Couch-Potato und verfolge den Ankick in Berlin.

Forechecking heißt die Devise der jungen Mannschaft von selbsternannten Querdenkern und ihr Ziel ist es, einen Treffer namens „Freiheit“ im gegnerischen Tor der Regierung zu landen.
Die scheinbar übermächtigen, mittlerweile aber gut eingesessenen, Gegner stoppen den Ball ab, starten zum medialen Gegenangriff (Foul! Das ist Hilfe von außen!) und erklären „das Leben“ zu ihrem obersten Ziel.
Goal, ein unschlagbares Argument.

Schon witzig:
Eigentlich aber sind diejenigen, welche jetzt gerade die Freiheit ins Spiel bringen, gleichzeitig auch diejenigen, die tatsächlich Leben ins Spiel bringen.
Denn wäre das Leben des Einzelnen wirklich das wichtigste Gut, müsste man dafür wohl einfach alles geben, also auch sein Leben, und das ist ein Widerspruch in sich. Eigentor für die Fürs-Leben-Spieler.

Die Demonstranten sind wieder am Ball. Flanke von rechts. Warum gerade von rechts?
Dumme Taktik, die rechten denken nicht mit. Ein linker Stürmer wäre viel besser durchgekommen. Die rechten gehören unbedingt auf die Bank, einfach raus aus dem Spiel.

Zweite Halbzeit. Jetzt wollen die Querdenker es ihren regierenden Gegnern gleichtun, bringen die Medien ins Spiel und  begehen dabei einen weiteren Fehler:
Sie türken die Teilnehmerzahlen. Sowas geht daneben.
Jetzt ist der Ball endgültig im Out.
Abpfiff durch die Polizei, politisches Nachspiel inklusive.

Die junge Mannschaft hat mit Protest und Geplärr ihr Ziel verfehlt und das erste Match verloren.
Querdenken tun meist Querköpfe. Und die denken nicht nur quer, sondern vor allem kreuz und quer.
Es geht hier nicht um ein Virus und um Freiheiten im Umgang mit selbigem.

Es geht um unser Volk und um Diskurs.

Demokratie gegen Technokratie.
Zusammenleben gegen Überleben.
Das sind die Spiele und das Turnier hat begonnen.

Vielleicht treten das nächste Mal ja die „Hinterfrager“ an. Denen rechne ich höhere Chancen ein…

G´sundheit weiterhin!
Christian

p.s.:
Achtung! Das wunderbare Verb „türken“ ist schutzbedürftig und darf keinesfalls mobbing-me too-gedissten-sich fremdschämenden-shitstormy Hyperempfindlichkeiten zum Opfer fallen. Der erste mechanische Schachspieler wurde einfach mit einer türkischen Figur bewegt, daher also der Begriff, sonst ist da nix dahinter…